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Systematische Übersichtsarbeiten
Übersichtsarbeiten in der Forschung benutzen für ihre Erstellung nicht notwendigerweise eine strenge oder explizite Methodik. Die meisten Übersichtsarbeiten in der Forschung haben das Format einer traditionellen Literaturübersicht, die normalerweise nur die Ergebnisse eines kleinen Teils der tatsächlich vorhandenen Forschungsevidenz untersucht und die Behauptungen der Autoren der Berichte für bare Münze nimmt. Die wichtigsten Merkmale einer systematischen Übersichtsarbeit oder einer systematischen Zusammenfassung von Forschungsergebnissen sind:
  • Explizite und transparente Methoden wurden verwendet
  • Die Forschung durchläuft eine standardisierteReihe von Phasen 
  • Sie kann zur Rechenschaft gezogen werden und ist replizierbar und aktualisierbar 
  • Damit die Berichte relevant und nützlich sind, besteht die Verpflichtung zu einer Nutzerbeteiligung.

Systematische Übersichtsarbeiten benutzen explizite Methoden um herauszufinden, welche Aussagen aufgrund der Studienlage verläßlich zu treffen sind. Die Methodik sollte nicht nur explizit sein, sondern auch systematisch, mit dem Ziel, vielfältige und verläßliche Ergebnisse zu erzielen. In der Folge fassen solche Übersichtsarbeiten Forschungsergebnisse auf eine Art und Weise zusammen, die leicht zugänglich für diejenigen ist, die Entscheidungen in der Politik oder in der Praxis zu treffen haben. Auf diese Weise verringern systematische Übersichtsarbeiten systematische Fehler (Bias), die bei anderen Herangehensweisen an Übersichten von Forschungsergebnissen auftreten können.

Die Methoden, die bei systematischen Übersichtsarbeiten verwendet werden, haben traditionellerweise Forschung, die Interventionen bewertet, mehr Aufmerksamkeit geschenkt als anderen Arten von Forschung. Es ist deswegen eine wichtige Herausforderung, Wege zu finden, nicht-interventionelle Studien zu finden, zu bewerten und in Übersichten zusammenzufassen, und dies ist ein zentraler Bestandteil der Arbeit des EPPI-Centre.

Historische Aspekte systematischer Übersichtsarbeiten

Forschungsevidenz, die öffentliche politische Entscheidungen unterstützt, ist nicht neu.  Die formalen Ansätze und die systematischen Methoden, um Evidenz zu evaluieren und zu bündeln, wurden jedoch erst in den letzten Jahrzehnten entwickelt. Dies war eine Antwort auf Forderungen der ‘Evidenz-Bewegung’, Wissen in einem verwendbaren und verläßlichen Format zu organisieren.

Eine kritische Bewertung und Synthese von Forschungserkenntnissen auf systematische Art und Weise fand in ihrer ersten formalen Gestalt 1975 unter dem Begriff ‘Meta-Analyse’ statt. Der Ausdruck wurde von GV Glass geprägt, der Synthesen auf den Gebieten von Psychoanalyse und Klassengröße durchführte.

Evidenzbasierte Medizin und soziale Interventionen

Obwohl frühe Synthesen auf dem breiteren Feld der Gesellschaftspolitik und sozialer Interventionen angesiedelt waren, wurde die systematische Synthese von Forschungsergebnissen zunächst in der Medizin und den Gesundheitswissenschaften angewendet. Archie Cochranes bahnbrechender Text 'Effectiveness and Efficiency' (1972, Effektivität und Effizienz) mahnte medizinische Fachleute, evidenzbasierte Medizin zu praktizieren. Diese wurde später von Professor David Sackett definiert als 'die gewissenhafte, explizite, besonnene Verwendung der besten derzeit zur Verfügung stehenden Evidenz beim Treffen von Entscheidungen hinsichtlich der Versorgung einzelner Patienten' ['the conscientious, explicit, judicious use of current best evidence in making decisions about the care of individual patients'] (Sackett et al. 1996).

In den späten 70er und den frühen 80er Jahren des 20. Jahrhunderts leistete eine Gruppe von Forschern des Gesundheitssystems in Oxford die Vorarbeit für evidenzbasierte Medizin, indem sie ein Programm systematischer Übersichtsarbeiten zur Effektivität von Interventionen in der Gesundheitsversorgung etablierte. Die Cochrane Collaboration eröffnet im Jahr 1992 ihr Zentrum in Oxford und ist mittlerweile ein internationales Netzwerk von Forschern, Akademikern, medizinischen Fachleuten und Nutzern, die sich verpflichten, Wissen im Gesundheitsbereich so zu verwalten, dass die Qualität gesichert und das Wissen zugänglich und kumulativ ist.

Schon bald wurde deutlich, dass auch in anderen Bereichen als nur der Medizin Einrichtungen für die Erstellung von Übersichtsarbeiten geschaffen werden mussten. So entstand mit der Campbell Collaboration eine Schwesterorganisation zu Cochrane. Die Campbell Collaboration adaptierte die Cochrane Methodologie, um eine vergleichbare Qualität systematischer Evidenz an breitere gesellschaftspolitische Themen heranzutragen.

Das EPPI-Centre entwickelte sich aus einem Projekt, das von Ann Oakley im Jahr 1992 im Bereich der sozialwissenschaftlichen Forschung an der Universität London etabliert wurde. Dieses Projekt hatte sich die Entwicklung einer Datenbank gut konzipierter Evaluierungen von Interventionen in den Bereichen Bildung und soziale Wohlfahrt zum Ziel gesetzt. Im Jahr 1995 gab das Gesundheitsministerium eine Serie von Übersichtsarbeiten auf dem Gebiet der Gesundheitsförderung in Auftrag, um die Arbeit von Cochrane auf dem Gebiet nicht-klinischer Gesundheitsthemen zu spiegeln, und damit entstand das EPPI-Centre. Der Aufgabenbereich des EPPI-Centre wurde im Jahr 2000 weiter vergrößert, als es die Unterstützung des Department for Education and Skills (Bildungsministerium) bekam, um Gruppen zu unterstützen, die Übersichtsarbeiten im Bereich der Erziehungswissenschaften erstellen wollen. Das Zentrum erstellt mittlerweile auch Übersichtsarbeiten im Bereich der Sozialversorgung für das Social Care Institute for Excellence (Exzellenzzentrum für Sozialfürsorge) und im Auftrag des Department for Work and Pensions (Ministerium für Arbeit und Renten).

Die Methodologie, das Fachwissen und die Werkzeuge im EPPI-Centre haben sich weiterentwickelt. Mittlerweile werden Übersichtsarbeiten in vielen Themenbereichen erstellt, die eine große Bandbreite von Evidenz zu allen Forschungsfragen bewerten und zusammenfassen und dabei potenziell jegliche Art von Studie einschließen. Unsere Methodenarbeit wurde dadurch bestärkt, dass wir zum Knotenpunkt für Methods for Research Synthesis (Methoden für die Synthese von Forschungsergebnissen) des ESRC National Centre for Research Methods (ESRC Nationales Zentrum für Forschungsmethodik) wurden.

Für eine vollständige Darstellung der Entwicklung der systematischen Synthese von Forschungsergebnissen und dem EPPI-Centre siehe: Oakley A, Gough D, Oliver S, Thomas J (2005) The politics of evidence and methodology: lessons from the EPPI-Centre. Evidence and Policy 1 (1):  5–31. [Die Politik von Evidenz und Methodologie: Lektionen aus dem EPPI-Centre]

Für eine Darstellung der Entwicklung der evidenzbasierten Medizin siehe: Sackett DL, Rosenberg WMC, Muir Gray JA, Haynes RB, Richardson WS (1996) Evidence based medicine: what it is and what it isn't. British Medical Journal 312: 71-2 [Evidenzbasierte Medizin: was sie ist und was sie nicht ist].

Für weitere Informationen über unsere Arbeit konsultieren Sie bitte die Hauptseite des EPPI-Centre auf Englisch.

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